Mit Entschleunigung gegen den Optimierungswahn

Warum nutzt Du einen Papierkalender? Es geht doch alles digital. Ist Aufschreiben nicht Zeitverschwendung? Wie sieht Dein Putzplan aus? Wann machst Du die ganze Wäsche? Fragen und Aussagen dieser Art kommen häufig bei mir an. Frauen wünschen sich Tipps, Ideen und clevere Hacks, wie sie ihre Aufgaben im Haushalt optimieren können. Schneller alles erledigen. Mehr Zeit für die wichtigen Dinge im Leben. Die Lasten des Alltags möglichst effizient hinter sich lassen. In gewissem Maße bin auch ich eine Zeit lang diesem Drang nachgegangen. Habe recherchiert, optimiert, sortiert. Doch alles hat seine Grenzen und jede Medaille zwei Seiten.

Zunächst zu den simplen Antworten. Ich mag Papier. Ich mag es, mich hinzusetzen, Aufkleber einzukleben und Termine niederzuschreiben. Manchmal male ich noch was drumherum. So, wie damals, als ich in der Schulklasse saß, der Lehrkraft zuhörte und in meinem Kalender rumgekritzelt habe. Einen Putzplan habe ich nicht. Einmal die Woche wird klar Schiff gemacht. Ansonsten habe ich meine täglichen Routinen. In Notfällen wird Spot-Cleaning betrieben. Noch weniger Gedanken mache ich mir über die Wäsche. Davon ist immer genug da. Sowohl schmutzig, als auch in sauberer Variante. Warum sollte mich das stressen?

Ganz klar: Ein guter Plan verschafft Zeit. Eine Struktur und Routine bringt Freiraum. Mir geben optimierte Abläufe Sicherheit. Den Kindern gibt es einen Rahmen und unserem Alltag einen Rhythmus.

Dennoch muss ich nicht alles durch optimieren. Es gibt keinen Wettbewerb da draußen: „Deutsche Meisterin im Haushalt schmeißen“ – Kategorie berufstätige Mutter. Es gibt keinen Preisrichter. Es gibt nur einen Richter, der mich jeden Tag beurteilt: Mein Nervenkostüm! Dieses lässt nämlich sehr schnell durchblicken, ob ich alles in Balance halte oder, ob mich kleinere Dinge schnell aufregen. Ich habe gemerkt, dass ich wesentlich gelassener bin, wenn ich meine Ansprüche im Kopf etwas zurückdrehe.

Bitte nicht falsch verstehen. Ich möchte nach wie vor einiges in unserem Haus und dem Haushalt verbessern. Es muss jedoch nicht sofort sein. Es ist kein Sprint. Schon gar nicht, wenn zwei Kleinkinder im Haus leben und das eigene Schlaflevel nur ausreichend bis mangelhaft ist.

Besonders in den Ferien der Weihnachtszeit habe ich gemerkt, wie gut es tut zu entschleunigen. Den üblichen Routinen abzusagen. Mal mit den Kindern gemeinsam auf dem Sofa einen Film zu schauen oder im Bett zu frühstücken. Bewusst die Tagesnachrichten anschauen und das Handy auf Flugmodus schalten. Im Auto einfach nur Musik zu hören, statt einen lehrreichen Podcast. Es gibt für alles Zeit. Nur die Zeit mit unseren Kindern, die vergeht. Darum fand ich es besonders wertvoll in der Weihnachtszeit, bewusste Momente einzubauen. Daran möchte ich im neuen Jahr festhalten und öfter ein wenig den „Geist der Weihnacht“ aufleben lassen.

Kathrin
Kathrin

Ich bin 1981 in Köln geboren, Mutter, Ehefrau und berufstätig. Diesen Blog habe ich gegründet, um meine Erfahrungen mit Euch zu teilen. Ich freue mich über den Austausch hier, auf Instagram oder meinem YouTube Kanal.

Artikel: 150

14 Kommentare

  1. Gefällt mir sehr gut. Geht mir auch sehr ähnlich. Ich möchte einfach auch mehr bewusste Zeit mit den Kinden verbringen. Wir haben ja alle schon festgestellt, dass die Wäsche ja nicht laufen kann. Bleib wie Du bist und alles Liebe für 2020.

  2. Sehr schön geschrieben. Ich versuchte auch immer den Haushalt mit drei Kleinkindern Tip Top zu halten. Doch leider geht das nicht immer und ich habe mich selber unter Druck gesetzt und die Nerven lagen blank. Jetzt mache ich das was geht und wenn es mal unordentlich ist, dann ist es so. Optimierung ist nicht alles, sondern die Kindheit mit den Kindern erleben.

  3. Danke für diesen schönen Post. Wir haben die Weihnachtsferien so genossen und es tat so gut mit den Kindern einfach in den Tag zu leben, spontane Nachtwanderungen zu machen und einfach nur die Zeit zu genießen. Die Wäsche ist mir auch nicht weggelaufen, die hat brav im Keller gewartet. 😉

  4. Wunderbar! Frühstück im Bett – wann habe ich das zum letzten Mal gemacht? Wäsche gerade heute. Dabei läuft die garantiert nicht weg…

  5. Liebe Kathrin!
    Ich folge dir schon einige Zeit lang und bin bisher eher eine stille Mitleserin und Zuschauerin. Nun wollte ich dir aber doch einmal für deine Denkanstöße danken. Du triffst bei mir sehr oft den richtigen Nerv! Daher danke für diesen Beitrag und allgemein für all die Mühe, die du dir machst!

  6. Wahre Worte! Gerade in Zeiten, in denen Instagram und co. besonders in Bezug auf Familie so viel Perfektionismus vorgaukeln, fällt es manchmal schwer sich dadurch nicht unter Druck setzen zu lassen…

  7. Sehr gut geschrieben! Ich mache mir schon lange Gedanken, wie ich mir und meiner Familie viel Stress ersparen kann, perfekt ist noch nicht alles, aber das muss es ja auch nicht sein! Wäre noch schöner, wenn der Versuch zu entschleunigen mich dann noch mehr stresst 😉 ich lasse jetzt natürlich nicht alles schleifen. Aber wenn’s mal knapp mit dem Essen wird, darfs auch eine Pizza sein. Statt bis auf den Staubfussel genau durchgeplantem Putzplan wird einmal im Monat alles gründlich geschrubbt und der Rest wann’s sich ausgeht (oder die Kinder wirklich mal akut Chaos verbreiten). Statt All-Inclusive-Wahnsinns-Inselurlaub gehts auch mal gemütlich in den Wanderurlaub in Südtirol. Statt Überholspur zum Burnout in der Arbeit gibt’s mal ein Projekt weniger und dafür mehr Zeit, mit meinen Kindern Lego zu spielen. Die Liste ist endlos, und jedes kleine Detail zählt 🙂

    LG Tammy

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert