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Oktober 30, 2018 // Just Blogging

Mein freier Vormittag

Wir sind im Herbst angekommen. Regenwetter, Sturm und unter 10 Grad Celsius. Die Kinder waren zu früh wach. Schlaf ist insgesamt zu knapp. Doch etwas in mir ist an diesem Morgen wach. Er ist präsent, stark und schwebt über den Dingen. Der Wille, heute Vormittag etwas nur für mich zu tun. Doch bis es dazu kommt, eilen noch etliche Fallstricke auf mich zu, wie fallende Blätter im Wind.

Wir erreichen die Kindergarten Straße. Parkplatz? Mit Ach und Krach gefunden. Die warm eingepackten Schnupfennasen setzen sich in Bewegung. Bis zum Bagger. Ein kleiner Raupenbagger repariert die Straße! Für diese Sensation stemmt mein Sohn beide Beine fest in den Boden. Ich gebe ihm eine Minute, bis der kontrollierte Abtransport erfolgt. Ich möchte weiter. Weiter in Richtung freier Vormittag. Im Kindergarten angekommen ist meine Tochter binnen Sekunden außer sich vor Missmut. Sie hätte nun doch lieber ein anderes Spielzeug zum Spielzeugtag mitgenommen. Nochmal zurück nach Hause fahren? Nein! Heute ziehe ich meinen Stiefel durch und verlasse mich auf die liebevolle Erzieherin, die sofort einige Alternativangebote aus dem Hut zaubert.

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Schließlich lande ich auf der Autobahn Richtung Zielort. Ich stehe im Stau. Das macht mir nichts. Ich fahre gerne Auto, wenn ich dabei meine Ruhe habe, oder Lieblingsmusik hören kann. Dann sehe ich sie. Die schönen Fassaden der Stadt. Ich denke unwillkürlich an das Gefühl, als ich damals in New York aus dem Bus ausgestiegen war und an den Wolkenkratzern hoch schaute. Ich muss grinsen und fahre in eines der teuersten Parkhäuser von Düsseldorf. Als der Aufzug mich ans Tageslicht bringt, bin ich kurz erschrocken. Was trage ich denn da? Schwarze verstaubte Wildleder Schuhe, eine blaue Hose, die Mama Handtasche und einen zerzauselten Schal? Nicht besonders Lady like. Aber was soll´s. Erst ein paar Sachen holen, dann zum Lieblingskaffee.

Als das Telefon klingelt, bin ich gerade auf der Suche nach Bodys für meinen Sohn. Es ist die Oma aus der Grande nation. Während des Gesprächs ertappe ich mich dabei, wie ich abschweife. Statt Unterwäsche suche ich plötzlich Kleider für meine Tochter. Moment mal! Das war nicht der Sinn. Heute bin ich dran. Ich entscheide nichts für die Kinder zu kaufen. Dafür ist meine Zeit zu kostbar. Als ich endlich im Kaffee sitze, höre ich ein paar Mitte 20jährigen Mädels zu. Sie unterhalten sich über alles mögliche. Ich schaue durch das Fenster und sehe eine Mutter mit ihren zwei Kindern. Ich atme tief durch und freue mich, heute mal nicht Tüten, Kinder und Regenschirm gleichzeitig jonglieren zu müssen.

Ich streife noch kurz durch ein Bekleidungsgeschäft. Ich bin überfordert mit der aktuellen Mode. Was bitte soll ich davon anziehen? Ein Kind schreit. Ich blicke auf einen Winzling im Kinderwagen und eine Mutter. Sie möchte so gern noch zwei Teile anschauen und versucht ihr Kind zu besänftigen. Ich atme durch und laufe die Treppen hinauf. Noch mehr Kleidung, die nicht zu mir passt. Außer einer günstigen Lidschatten Palette, zwei Kaffee und einem Teilchen habe ich nichts gekauft. Ich beschließe aber, von nun an einen Vormittag in der Woche für mich zu gestalten. Diese wenigen Stunden sind mir mehr wert, als ein schicker neuer Pulli.

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32 Kommentare

  • Antworten Imola Oktober 30, 2018 um 2:13 pm

    Like! Es ist immer eine Freude deine Posts zu lesen! Liebe Grüße,

  • Antworten Hanna Oktober 30, 2018 um 2:13 pm

    Du hast vollkommen recht.wannimmer du die Chance bekommst, nimm dir frei für dich!!! Ich warte noch auf diese Chancen alles Liebe!

    • Antworten Kathrin Oktober 30, 2018 um 2:14 pm

      Ich drück Dir die Daumen, dass Du auch Gelegenheit dazu bekommst!

  • Antworten Vanessa G. Oktober 30, 2018 um 2:14 pm

    So eine Auszeit ist wichtig & sollte man sich gönnen! Schön geschrieben!

    LG aus der Heimat!
    Vanessa

    • Antworten Kathrin Oktober 30, 2018 um 2:15 pm

      🙂 Dankeschön! Liebe Grüße zurück!

  • Antworten Corinna Oktober 30, 2018 um 2:20 pm

    Das klingt gut ! Diese Auszeiten muss man sich ganz bewusst nehmen. Von selbst kommen sie nicht.

    • Antworten Kathrin Oktober 31, 2018 um 10:31 am

      Das stimmt. Da muss man aktiv dran bleiben.

  • Antworten Maria Oktober 30, 2018 um 3:10 pm

    Alles richtig gemacht! Geld ist sowieso immer besser in leckeres Essen als in Klamotten investiert 🙂

    Mich stören leider nur immer wieder die Rechtschreibfehler…

    • Antworten Kathrin Oktober 30, 2018 um 5:19 pm

      Ein Glück bin ich keine Deutschlehrerin 😉 Du darfst mich aber gerne berichtigen.

    • Antworten Daniela Oktober 30, 2018 um 9:17 pm

      Wo sind da denn Rechtschreibfehler? Würde mich wirklich interessieren.

  • Antworten Jutta Wehrle Oktober 30, 2018 um 3:18 pm

    Hallo Kathrin
    schöner und wahrer Beitrag,vor allem die Aussage überfordert mit der Mode….ja so fühl ich mich auch…bin schon etwas àlter und ich muss sagen es geht mir von Jahr zu Jahr mehr so dass mich die aktuelle Mode gar nicht interesiert was aber nicht heisst dass ich im Sack rumlaufe. Mir persönlich ist meine freie Zeit die als berufstätige Mutter habe sehr wichtig ,zu wichtig als sie im Einkaufszentrum zu verbringen,sondern nur mit mir selbst. Habe auch fest immer einen Termin in der Woche wo mein Mann den kleinen versorgt um dann los zu können, meistens zum Sport oder zum Mädelsabend.
    Sport hilft mir sehr um Stress abzubauen,mich wieder wohl zu fühlen und auch fit für den Alltag zu bleiben.
    Es nützt der Familie nichts wenn die Mama nur für sie da ist und nicht mehr an sich selber denkt. Ich war selbst in der Kleinkinphase immer mal ne kurze Zeit weg um mal alleine zu sein….ich brauch das.
    …um danach wieder besser den Alltag zu bewältigen.
    Liebe Grüsse Jutta

    • Antworten Kathrin Oktober 31, 2018 um 10:33 am

      Tja, Sport wäre eigentlich auch noch auf meiner Liste. Das kommt bei mir immer so in Schüben 😉 Allein sein kann ich auch ganz gut und schöpfe viel Kraft daraus.

  • Antworten Sternenflocke04 Oktober 30, 2018 um 3:31 pm

    Ich habe jeden Mittwoch einen freien Arbeitstag. Natürlich muss ich auch da um 6 aufstehen, Frühstück und die Kinder fertig machen, ein wenig Schreibtisch und Hausarbeit, aber anstatt den ganzen Vormittag zu putzen, gehe ich dann in die Stadt und trinke erst einmal einen Kaffee, lese ganz entspannt eine ausliegende Zeitschrift und schaue in den Läden, was es Neues gibt. Diese 2 Stunden sind wie ein bisschen Ferien und zum Mittag gibt es auch kein ausgefallenes Essen, sondern Nudeln. Schön, dass du diese freie Zeit auch für dich nehmen kannst.

  • Antworten Christiane Wingenfeld Oktober 30, 2018 um 3:41 pm

    Liebe Kathrin,

    wenn ich eins gelernt habe, dann dass diese kurzen Auszeiten für uns Mamas wichtig sind, um unsere Akkus aufzuladen, den Kopf frei zu bekommen oder einfach die Ruhe zu genießen mal nicht abrufbereit zu sein dass dürfen wir auch ruhig ohne schlechtes Gewissen, denn danach sind wir wieder Einsatzbereit für alles was da kommt .
    Ein sehr schön geschriebener Blogpost

    LG Christiane

  • Antworten Marie Hahne Oktober 30, 2018 um 3:51 pm

    Es war nicht anders zu erwarten, als wiedermal einen mega guten Blog von dir zu lesen. Danke!Ich denke, du sprichst vielen Müttern aus der Seele. Ganz liebe Grüße

    • Antworten Kathrin Oktober 31, 2018 um 10:34 am

      Dankeschön!

  • Antworten Vanessa W. Oktober 30, 2018 um 5:15 pm

    Gott segne Euch!!! Viel Gesundheit für Euch und Eure Familien!!!!

  • Antworten Daniela Oktober 30, 2018 um 5:35 pm

    Ein ganz toller Blogpost! Solch ein wunderbarer, freier Vormittag steht mir morgen bevor – und ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich darauf freue! Da meine zweite Tochter erst knapp 1 Jahr alt ist bin ich mit ihr Vormittags immer zu Hause, während die Große im Kindergarten ist. Deshalb sind solche Tage etwas ganz besonderes. Auch Mamas brauchen mal Zeit für sich! LG

    • Antworten Kathrin Oktober 31, 2018 um 10:34 am

      Dann wünsche ich Dir viel Spaß!

  • Antworten Julia Oktober 30, 2018 um 7:00 pm

    Danke für den schönen Beitrag! Ich musste schmunzeln, weil ich letzten Dienstag genau dasselbe gemacht habe: Kind in die Kita und durch den Stau nach Düsseldorf. Wahrscheinlich waren wir im gleichen Parkhaus… mir wurde auch kurz übel bei dem Preis pro 30 Min und dann habe ich es wieder als Investition in meine me Time gesehen ich lese so gern von dir. Liebe Grüße Julia

    PS. Was mich interessieren würde, hast du dich schon für einen Planer 2019 entschieden?

    • Antworten Natascha Oktober 30, 2018 um 9:34 pm

      Liebe Kathrin,
      ich bin seit 1,5 Jahren ein richtiger Fan deiner Blogposts und YouTube Videos geworden, da ich diese immer unglaublich inspiriend finde. Ich hoffe daher sehr, dass du beides auch in Zukunft, wenn du deiner beruflichen Tätigkeit wieder nachkommt, beibehalten wirst.

      • Antworten Kathrin Oktober 30, 2018 um 9:39 pm

        Dankeschön! Ja, ich hoffe sehr, das alles beibehalten zu können.

  • Antworten Susanne Oktober 31, 2018 um 7:34 am

    Hallo Kathrin, ich bin zwar keine Mama, dennoch lese ich gerne deine Blogs und verfolge deine Kanäle. Dir scheinst Sekt schön und deine Videos sind toll gemacht. Schön dass du dir eine Auszeit gönnst um den Akku würde aufzuladen und und daran teilhaben lässt. PS. Hat du schon einen Planer für 2019? Danke für denTipp von Farbenkreisel. Die Sticker sind toll. Einen schönen Mittwoch wünsche ich Dir.

    • Antworten Kathrin Oktober 31, 2018 um 7:44 am

      Einen Planer habe ich schon im Auge. Warte aber noch, bis ich ihn kaufe 🙂

  • Antworten Susanne Oktober 31, 2018 um 7:58 am

    Dann hoffe ich dich sehr, dass du uns wieder daran teilhaben lässt, für welchen Du Dich entschieden hast. ich würde mich sehr freuen.

  • Antworten Lisa November 1, 2018 um 7:47 pm

    Hallo liebe Mamas.
    Kurz zu mir… Mittlerweile Ende 30, Entwicklungspsychologin (derzeit Dozentin in Wochenendseminaren), Mutter von 2 Kindern (5 und 2), der Große seit 1,5 Jahren 4 h im Kindergarten, die Kleine zu Hause, Hauseigentümer ohne Putzhilfe oder helfenden Mann, Omas 300 bzw 600 km entfernt… Also… Gut beschäftigt 🙂

    Ich kenne es sehr gut, wenn man 24 h am Tag 1000% gibt, aber dennoch finde ich es wirklich sehr schade (und rein wissenschaftlich auch bedenklich), dass Kinder so oft wie schwere Arbeit betrachtet werden, von der man Urlaub braucht.

    Sie sind ein Teil von uns, unserem Selbst, kommen aus uns und sind die wertvollsten Geschenke, die wir je bekommen haben und werden!
    Mit ihnen sind wir Familie… Davon Auszeit??
    Wir sind so egoistisch geworden und geben das leider so weiter.
    So schnell sind die kleinen Kinder große Kinder und wollen dann ihre Zeit nicht mehr mit uns verbringen.
    Wir haben tatsächlich ca 5-6 Jahre, um ihre Seelen zu stabilisieren (die ersten 3 essentiell!!) und in dieser Zeit geben wir sie an im Grunde uns fremde Menschen!?
    Hand aufs Herz… Wer würde täglich 6-7 Stunden sein Auto einem professionellen Fahrer anvertrauen oder einen Architekt das Haus alleine überlassen?? Alles Fachleute, wie Erzieher, aber das Materielle geben wir nicht aus der Hand

    Wenn wir versuchen würden, Kinder weniger als zu managendes Projekt oder als zu optimierendes Wesen zu betrachten sondern einfach als selbständige Geschenke, die wir begleiten dürfen, dann bräuchte man vielleicht weniger Auszeit und die Sehnsucht nach Zweisamkeit oder Zeit ohne Kinder würde geringer.

    Es ist der Rat einer Mutter und Fachfrau… Lasst es entspannter angehen, lasst euch von den Kinder mitnehmen auf der Entdeckungsreise und organisiert sie nicht so stark.
    Mehr Freiräume und weniger Terminkalender sorgt auch nachweislich für mehr Ausgeglichenheit bei allen Beteiligten.

    In diesem Sinne… Einen entspannten, spontanen und entdeckungsfreudigen Advent euch allen

    • Antworten Kathrin November 1, 2018 um 8:29 pm

      Hallo Elisabeth,

      Danke für Deinen Kommentar und Deine Sicht.

      Ich bin kein Freund von pauschalen Ratschlägen oder Verallgemeinerungen. Was für mich und meine Familie Glück und Ausgleich bringt, ist für eine andere Familie vielleicht nicht der richtige Weg.

      Wenn es einer Mutter gut tut, sich eine Auszeit zu nehmen, sollte niemand den Finger heben, der nicht in ihrer Haut steckt.

      Ja, mein Auto würde ich sogar Car Sharing zur Verfügung stellen. Nur ist das hier am Stadtrand nicht so gefragt 😉 Viele Menschen bieten Couch Surfing oder per Airbnb ihre Wohnung Fremden an. Ich denke, Offenheit neuen Wegen gegenüber haben, ist nicht verkehrt.
      Schöne Grüße
      Kathrin

      • Antworten Julia November 12, 2018 um 2:20 pm

        Liebe Kathrin,
        ich finde wirklich bewundernswert professionell, wie du mit kritischen Kommentaren umgehst. Noch bewundernswerter finde ich deine Einstellung und dein reflektierte Sicht zum Thema Kinder erziehen und begleiten, Selbstfürsorge und Paarbleiben. Vielen Dank, dass du dir diese Online-Arbeit für uns Leser/ Zuschauer machst!

  • Antworten Magnumweiss November 1, 2018 um 9:26 pm

    Hallo Kathrin,

    schade, dass nichts für deinen Kleiderschrank dabei war.

    Vor gut zwei Jahren habe ich mir solche Vormittags auch hin und wieder gegönnt. Die Eingewöhnung war erfolgreich abgeschlossen und die Rückkehr in den Beruf dauerte noch 2 Monate. Ich habe es geliebt … bummeln ohne Kinder … frühstücken mit guten Freundinnen … morgens laufen gehen und danach ein heißes Bad …

    Inzwischen arbeite ich 25 Stunden, aber solche „Vormittage“ gönne ich mir immer noch, zwar selten aber besser als gar nichts …

    Meine Eltern nehmen unsere Kinder inzwischen auch mal über Nacht, so können mein Mann und ich auch mal gemeinsame Auszeiten nehmen.

    Energie und Kraft tanken ist wichtig, für Frau, Mann und natürlich auch für die Kinder. Ich gönne unseren Kindern den auch mal einen kitafreien Tag, ein langes Wochenende und soviel Ferien wie es geht. Das eine schließt das andere nicht aus. Du machst das gut, achte weiterhin auf dich.

    Gute Rückkehr in den Beruf und einen gesunden Herbst/Winter

    • Antworten Kathrin November 1, 2018 um 10:23 pm

      Dankeschön, tatsächlich wäre ein heißes Bad auch mal eine gute Idee!

  • Antworten Sylvia Schnaak November 3, 2018 um 8:49 am

    Hallo Kathrin,
    danke für den kleinen Denkanstoß. Ich bin Mutter einer 2 1/2 jährigen Tochter. Seit August geht sie in die Kita bzw begann die Eingewöhnung . Jetzt ist es mittlerweile so, dass sie vormittags ohne Probleme dort ist. Und was mache ich? Ich mache dann den Haushalt, gehe einkaufe oder wenn ich shoppen von schaue ich tatsächlich meistens dann doch für meine Tochter. Das versuche ich jetzt zu ändern. Denn ich merke schon, dass mir so eine kleine Auszeit sicherlich mal gut tun würde . Liebe Grüße
    Sylvia

    • Antworten Kathrin November 3, 2018 um 1:32 pm

      Hallo Sylvia, das freut mich. Manchmal sind es ja nur Kleinigkeiten, die man umstellen muss, um viel zu erreichen. Viel Spaß dabei!

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