Januar 21, 2021 // Kinderkram

Homeschooling – Tipps für Eltern

Während meines Lehramtsstudiums und später im Referendariat habe ich viel darüber gelernt, was “guter Unterricht” ist, wie er in der Theorie beschrieben wird und was davon in der Praxis mit einer heterogenen Lerngruppe überhaupt umsetzbar ist. Vieles klingt so einfach, doch ist die Umsetzung in die Praxis doch auch in der Schule nicht immer möglich. In Zeiten von Corona stehen nun viele Eltern ganz unfreiwillig vor der Mammutaufgabe ihre eigenen Kinder Zuhause unterrichten zu müssen. Ja, ich schreibe hier ganz bewusst Mammutaufgabe, denn es ist der absolute Wahnsinn, was viele leisten. Eins vorweg, ihr könnt euch erstmal selber auf die Schultern klopfen! Ihr gebt alle euer Bestes! Ich möchte heute ein paar Tipps zum Homeschooling mit euch teilen. Ich breche heute genau das bezogen auf Homeschooling herunter, was guten Unterricht ausmacht. Das sind alles Dinge, die mir persönlich helfen und vielleicht sind ja für euch ein paar Inspirationen dabei.

  • Klare Strukturierung des Unterrichts – was auch in der Schule unerlässlich ist, kann für Zuhause auch nicht ganz unwichtig sein. Für mich ist eine klare Struktur das A und O. Ein roter Faden sollte erkennbar sein. Wie auch in der Schule arbeite ich Zuhause mit einem Klangsignal. Ich nutze hierfür eine Klangschale*. Damit konturiere ich den jeweiligen Lernblock. Zudem schont das nicht nur meine Stimme, sondern auch die Nerven auf beiden Seiten. Man kann diese auch nutzen, um eine kleine Entspannungspause einzulegen. Dann schlage ich diese an und wir schließen die Augen, hören dem Klang nach und öffnen die Augen erst dann, wenn wir ihn nicht mehr hören. Ich nehme mir immer am Abend vorher fünf Minuten Zeit, sichte die Lerninhalte für den nächsten Tag und erstelle einen stichwortartigen Ablaufplan. Diesen gehe ich dann vor beginn des Homeschoolings gemeinsam mit meiner Tochter durch. Da sind wir schon beim nächsten wichtigen Punkt:
  • Transparente Leistungserwartung – mithilfe eines Ablaufplans bietet ihr nicht nur eine klare Strukturierung, sondern Transparenz. Ich finde die Visualisierung super wichtig und hilfreich. Das Kind weiß somit genau, was alles ansteht und kann auch nach jeder erledigten Aufgabe einen Haken hinter den jeweiligen Punkt setzen. Das ist wie eine To-do-Liste des Tages. Ich persönlich schreibe auch die Zusatzaufgaben auf den Ablaufplan und kennzeichne diese mit einem Sternchen. Wir besprechen dann immer gemeinsam, ob wir diese am Vormittag bearbeiten oder zu einem anderen Zeitpunkt.
  • Vorbereitete Lernumgebung – Ich bin davon überzeugt, dass eine gute vorbereitete Lernumgebung positive Effekte auf die Entwicklung der kognitiven, sozialen und methodischen Kompetenzen der Kinder hat. Die Indikatoren für eine gute Ordnung und eine funktionale Einrichtung sind natürlich in den eigen vier Wänden komplett andere als in einem Klassenraum, aber dennoch versuche ich den Arbeitsplatz – was bei uns tatsächlich der Esstisch ist – immer für den Unterricht vorzubereiten. Ich achte darauf, dass alles aufgeräumt ist und Lottas Material bereit liegt. Mittlerweile sind wir da ein eingespieltes Team und machen das zusammen. Die hat dann hier ihre kleine Funktionsecke. Ein Kindertablet* für den täglichen Austausch mit ihrer Klasse, ein Wecker* mit Stoppuhrfunktion zur Konturierung der Pausen und mittlerweile liegt hier auch ein Gehörschutz* für Lotta bereit. Unterrichtsstörungen in Form von jüngeren Geschwistern, Geräusche aus der Küche, klingelnden Handys etc. gibt es hier nämlich zu Genüge.
  • Hoher Anteil echter Lernzeit – als echte Lernzeit bezeichnet man die vom Schüler tatsächliche aufgewendete Zeit für das Erreichen der angestrebten Ziele. Soweit so gut. Um den Anteil der echten Lernzeit Zuhause zu erhöhen, ist eine Vorbereitung wie eben beschrieben auf Seiten der Eltern und des Kindes wichtig. Organisatorisches wie das Drucken der Arbeitsblätter lagere ich bewusst aus und mache das vor Beginn des Homeschoolings. Wir starten wenn möglich immer zur gleichen Zeit und strukturieren den Unterrichtsverlauf und rhythmisieren den Vormittag mit Pausen. Klare Absprachen und Regeln unterstützen das Lernen und vermeiden Konflikte und Unklarheiten.
  • Lernförderliches Klima – hiermit ist das Klima gemeint, das am besten beim Lernen hilft. Ich finde diesen Punkt besonders wichtig und zugleich Zuhause unglaublich schwer umzusetzen. Wir sind Zuhause nämlich Eltern und keine Lehrer. Die Beziehung zueinander ist eine ganz andere als zwischen Lehrer und Schülern. Das möchte ich an dieser Stelle betonen. Wir sind alle nur Menschen, die Nerven liegen an manchen Tagen auf beiden Seiten blank und die Lernbereitschaft ist vielleicht auch nicht immer gegeben. Bleibt geduldig und lasst auch mal Fünfe gerade sein. Der gegenseitige Respekt, verlässlich eingehaltene Regeln, gemeinsam geteilte Verantwortung – das alles ist ganz schön viel. An manchen Tagen will vielleicht gar nichts gelingen. Das ist absolut ok! Druck ist beim Lernen eher kontraproduktiv. Bevor die Stimmung zu kippen droht, ist es manchmal vielleicht besser eine Pause einzulegen. Pausen tun gut und sind unglaublich wichtig. Wir machen zwischendurch immer Bewegungspausen, gehen raus oder essen leckere Snacks. Nervennahrung kann schließlich nie schaden!
  • Inhaltliche Klarheit – ist eine unverzichtbare Voraussetzung guten Unterrichts. Wenn die Kinder nicht verstehen was, wie und warum sie etwas bearbeiten sollen, wird es schwierig. Ich sichte das Material, gehe die geforderten Unterrichtsinhalte durch und versuche aufkommende Unklarheiten vor Unterrichtsbeginn zu klären, damit ich meiner Tochter die Aufgabenstellung kurz, knapp und verständlich darbringen kann. Ich versuche Konflikte beim Homeschooling ohnehin zu vermeiden. Die Situation an sich ist schon sehr herausfordernd und da braucht man nicht noch Streit und schlechte Stimmung.

Ich wünsche allen Eltern und Kindern weiterhin gutes Gelingen. Lernen soll Spaß machen und nicht zur Qual werden. Nicht jede Zusatzaufgabe muss zwingend bearbeitet werden. Bei Schwierigkeiten rate ich immer dazu den Lehrer zeitnah zu informieren. Stärkt euch untereinander, tauscht euch mit Leidensgenossen aus. Dampf ablassen kann auch mal verdammt gut tun. Verliert nicht den Mut! Ihr schafft das!

Macht`s gut und bleibt gesund!

Eure Sarah

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1 Kommentar

  • Reply Sandra Januar 23, 2021 at 9:00 am

    Hallo Sarah,danke für die Tipps.
    Ich habe auch einen Erstklässler zuhause und deine Tipps helfen mir,die Situation vielleicht noch besser zu strukturieren.
    Ich kann an den Tagen, an denen ich arbeite, leider erst nachmittags mit meinem Sohn lernen,das ist deutlich schwieriger als vormittags.
    Eine gute Zeit euch,
    Sandra

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