Urlaub mit Baby und Kleinkind – easy peasy in Pisa?!

Zurück aus dem Urlaub ist bei uns Zuhause schnell der Alltag eingekehrt. Unser Alltag besteht aus Regelmäßigkeiten, Ritualen, Verabredungen, Hobbies und gibt den Kindern Struktur. Eine Struktur, die manchmal von mir verflucht wird und dann sehne ich mir den nächsten Urlaub herbei, um aus dem Alltag auszubrechen.

Doch seitdem ich (Zweifach-) Mama bin, weiß ich, wie wichtig und wertvoll so ein Alltag für unsere Kleinen ist. Struktur bietet Sicherheit. Gleiche Abläufe und Wiederholungen sind für meine beiden Töchter nicht langweilig – wie ich es hin und wieder empfinde – es lässt sie sich sicher, geborgen und Zuhause fühlen.

Lange habe ich überlegt, ob und wie ich einen Urlaubsbericht für Euch schreiben soll. Wir hatten alles in allem wirklich einen wundervollen Urlaub. Wir vier und das Baby in meinem Bauch. Einige folgen mir schon eine ganze Weile auf Instagram und wissen daher, dass das nicht unsere erste Kreuzfahrt war. Für uns ist das mit den Kleinen einfach der perfekte Urlaub, der uns Eltern auch mal die Möglichkeit bietet, etwas als Paar zu machen. Wir buchen an Bord immer ein spezielles Babyfon, das es uns ermöglicht, abends zusammen ins Theater, etwas essen oder trinken zu gehen. Paarzeit, die im Alltag einfach zu kurz kommt.

Aber bevor ich hier Werbung mache, erzähle ich Euch lieber eine nette realitätsnahe Anekdote. Reisen mit Baby und Kleinkind ist nicht immer ein Zuckerschlecken. Nicht alles ist easy-peasy. 

Egal wie gut man organisiert ist, wie viele Erziehungsratgeber man gelesen hat oder wie perfekt man vorbereitet ist. Es kommt zu Situationen, mit denen mein Single-Ich vor 15 Jahren wahrscheinlich nie im Leben gerechnet hat. 

Das Schiff machte einen Stopp im Hafen von Livorno. Nach Florenz war es uns zu weit und so beschlossen wir kurzerhand auf eigene Faust nach Pisa zu fahren. Gesagt, getan. Rucksäcke waren mit Snacks, Spielzeug, Getränken, Windeltasche, Sonnencreme und Kuscheltier gefüllt. Alles was wichtig ist, war dabei. Der Ausflug sollte doch mit links zu schaffen sein. Die Realität sah allerdings anders aus. 

Zwar bekamen wir in Livorno sofort Tickets für eine Bus Hin- und Rückfahrt nach Pisa, aber schon die erste Wartezeit auf den Bus wurde zur Zerreißprobe. Lotta war müde, hatte keine Lust zu warten und war eine extrem schlecht gelaunte Zweijährige. Für die beiden mussten wir nichts bezahlen, aber sie hatten zugleich auch keinen eingeplanten Sitzplatz. Der Touristenbus war bis auf den letzten Platz besetzt. So mussten mein Mann und ich die Mädchen auf den Schoß nehmen, Rucksäcke und Trage vor uns quetschen. 

Die Temperaturen waren im Bus ziemlich, sagen wir, tropisch und der Platzmangel machte uns wirklich zu schaffen. Nach 40 minütiger Busfahrt in Pisa angekommen konnte auch das versprochene Eis die Laune von Lotta nicht heben. Sie legte sich in den Buggy und verschlief unseren kompletten Aufenthalt. Carla musste also in die Trage. Nicht so ihr Ding, wenn sie müde ist. Und oh ja, das war sie. Sie kam einfach nicht zur Ruhe, nickte 15 Minuten ein und war danach ähnlich gelaunt wie Lotta am Morgen.

Wir schauten uns den schiefen Turm an und steuerten dann außerhalb der Touristenmeile ein sehr einfaches Café an. Ich musste direkt zur Toilette. Überraschung. Na toll. Ein Loch im Boden. Tja, eine landestypische Toilette. Ich hatte eine Umstandslatzhose an. Mehr Details erspare ich Euch. Lotta schlief noch immer und Carla hielt meinen Mann und mich ganz schön auf Trab. 

Pünktlich am Busparkplatz zur Abfahrt angekommen, wurde Lotta wach. Die Laune war zwar besser als vor ihrem Nickerchen, aber jetzt klagte sie über Hunger. Bevor wir ihr überhaupt etwas anbieten konnten, kam schon lautstark die Aussage „…was anderes“.

Die Diskussion begann. Letztlich aß sie meine Schokocookies. Die gleiche Mannschaft setzte sich wieder in den Bus und unsere Hoffnung, dass vielleicht ein Platz mehr frei sein würde, zerschlug sich. Wir fuhren los. Carla rieb sich die Augen. Sie war schlichtweg übermüdet und natürlich kam sie auch im Bus nicht ansatzweise zur Ruhe. Jetzt wurde Carla wütend. So wütend so ein 11 Monate altes Mädchen eben sein kann. Sie brüllte. Aber wie. Meinem Mann und mir wurde immer wärmer. Hektisch suchte mein Mann im Rucksack vor ihm nach ihrer Wasserflasche, nach Snacks und ihrem Kuscheltier. Nichts, aber auch wirklich gar nichts konnte sie beruhigen. Sie schrie sich immer mehr in Rage. Selbst Lotta, die Kekse essend auf dem Schoß meines Mannes saß, erkannte den Ernst der Lage und verhielt sich sehr ruhig und verzog keine Miene.

Die Leute vor uns drehten sich immer wieder um. Wir versuchten Carla zu beruhigen, was uns auch nach 15 Minuten nicht gelingen wollte. Auf einmal hielt der Bus an. Mitten auf der Autobahn fuhr der Bus rechts ran. Der italienische Busfahrer kam zu uns nach hinten und fragte mit starken Akzent : „Do you have a problem?“

Ich habe für einen kurzen Moment sagen wollen: „No, she is just singing.“ Aber ich habe es mir verkniffen. Mein Mann murmelte etwas wie „Everything is ok.“ 

Der Busfahrer ging nach vorn und fuhr weiter. Jetzt kannte uns aber wirklich der ganze Bus. Carla brüllte und brüllte. Sie wollte nichts trinken, warf uns Hirsekringel und Dinkelkekse entgegen. Wir waren ratlos und klatsch nass geschwitzt.

Doch auf einmal war Ruhe.

Carla lächelte, schob sich einen Schokocookie in den Mund, den ihr Lotta in die Hand gedrückt hatte und blieb den Rest der Fahrt schmatzend, fröhlich und vor allem ruhig.

Mein Mann und ich schauten uns an, nickten und ließen sie gewähren.

Am Ende dieses Ausflugs hatte Carla ihre erste Schokoladenerfahrung gemacht, die Hose meines Mannes, mein Shirt und unsere Kinder waren voller Schokolade. Die glücklichen Gesichter der Mädchen waren ordentlich mit Schokolade dekoriert. Schokoladen-Blush, Schokoladen-Lidschatten und Schokoladen-Lippenstift.

Was ich Euch damit sagen will, bei all den schönen Fotos, die man auf sämtlichen Social-Media-Kanälen so zu sehen bekommt, erzählen die wenigstens die Realität, die manchmal gar nicht so ist wie eigentlich geplant. Nobody is perfect.

Und wisst ihr was? Das ist doch auch verdammt nochmal gut so!

In diesem Sinne,

Bis bald!

Eure Sarah

21 Gedanken zu „Urlaub mit Baby und Kleinkind – easy peasy in Pisa?!“

  1. Liebe Sarah, ich hab noch nie etwas kommentiert, aber hier muss ich mich als Mama von drei kleinen Kindern für den herrlich ehrlichen Bericht bedanken! Musste echt beim lesen schmunzeln, bestimmt ging es vielen ebenso! In solchen Situationen bin ich immer etwas neidisch auf alle anderen Eltern deren Kinder zumindest in dem Moment!!!friedlich einwickeln! Lg Kerstin

    1. Liebe Kerstin!

      Erst einmal danke für’s Kommentieren . Ich denke, dass alle Eltern solche Momente kennen, in denen es drunter und drüber geht, obwohl man doch alles so gut geplant und durchdacht hatte. Mit Kindern ist das Leben einfach nicht immer planbar und perfekt.
      Ich freue mich immer, wenn ich auch von anderen Mamas solche ehrlichen Geschichten lese.
      Wir sitzen doch alle im selben Boot. Manchmal fehlen mir so ehrliche Worte in den sozialen Netzwerken.
      Dir alles Liebe!

      Viele liebe Grüße!

      Sarah

      1. Bin eigentlich auch stille Mitleserin. Aber nun muss ich dir zu deinem Bericht gratulieren! Es tut so gut zu hören, dass auch bei anderen Familien ab und zu Chaos herrscht! Meine beiden Mädels sind gleichalt wie deine (11/14 und 9/16) daher herrscht auch bei uns, ab und an kreatives Chaos! 🙂

        Freue mich auf weitere so tolle, ehrliche Beiträge.
        Grüsse aus der Schweiz
        Vero

  2. Hallo Sarah.
    Ich bin schon lange stille Mitleserin, aber hier muss ich meinen Senf abgeben!
    Kathrin und du ihr seit sooooooo sympathisch!
    Wahnsinn, so einen ehrlichen Bericht habe ich noch nie gelesen!
    Das ist ja wunderbar, zu sehen, dass es jedem so gehen kann! Ich bin dreifache Mama (5, 3 und 9Monate) und kenne solche Szenen nur zu gut.
    Vielen Dank für den wunderbaren Post!!!!!!
    Freue mich schon auf weitere!
    Liebe Grüße und alles Gute ❤️

    1. Hallo Theresia!

      Danke für deinen „Senf“ . Darfst sehr gerne öfter kommentieren!
      Mich beruhigt es ungemein, dass es auch bei anderen Mamis solche Szenarien gibt.

      Dir und deinen Lieben alles Gute!

      Bis hoffentlich bald!

      Sarah

  3. Liebe Sarah!

    Ich musste lachen, wissen doch sie grossen Schwestern oft am Besten was die Kleinen wollen….. Kennen solche Szenen mit 3 Kindern (6, 4, 18Mt.) auch bestens. Bin schon länger stille freudige Leserin, du machst das Bestens!

    Liebe Grüße aus der Schweiz

    1. Hallo Brigitte!
      Liebe Grüße in die Schweiz!
      Ja, Lotta war als große Schwester tatsächlich unsere Rettung .
      Danke für das Kompliment! Wir Mamas haben doch alle Superpower!
      Alles Liebe für Dich und deine Rasselbande!

      Sarah

  4. Danke für diesen wundervollen ehrlichen Bericht! Ab und zu erwische ich mich selbst dabei, wie ich mich von diesen (oft perfekt inszenierten) Momentaufnahmen beeindrucken lasse und was noch schlimmer ist: Stressen lasse! Mit Kind ist nichts mehr so planbar und vorhersehbar wie es ohne Kind war. Das muss ich-und ich würde mich als ziemlich perfektionistisch beschreiben- auch nach 2 Jahren als Mutter immer noch lernen. Es tut dann einfach gut zu wissen, dass bei anderen Familien auch das „übliche“ Chaos herrscht.

    Liebe Grüße
    Carolin

    1. Hallo Carolin,

      mir selber gefallen oft auch diese schönen zum Teil sicher auch inszenierten Aufnahmen. Aber ich denke auch, dass hin und wieder ein ehrlicher Beitrag oder eine Anekdote in der man sich auch wieder finden kann, nicht fehlen darf. Bei allen Familien gibt es sicher solche Momente.
      Leider bin ich auch sehr perfektionistisch und stresse mich oft selber. Dank meiner Kleinen, habe ich mittlerweile gelernt (und lerne es immer noch) Abstriche machen zu können.

      Ich wünsche Dir alles Liebe und sage danke für deine Worte!

      Sarah

  5. Danke für den Tipp! Jetzt weiß ich, was in unserem Urlaubsgepäck für unsere 9 Monate alte Tochter nicht fehlen darf: Schokocookies! Hätte ich ohne deinen Bericht bestimmt nicht dran gedacht 🙂

    Dein Bericht ist herrlich und hat mich sehr zum Lachen gebracht. Aber ein bisschen bedauere ich trotzdem, dass du dem Busfahrer nicht gesagt hast, dass Carla „nur singt“. Wie die Geschichte dann weiter gegangen wäre, hätte mich schon sehr interessiert… 😉

    1. Liebe Mareike,
      am liebsten hätte ich das gesagt, aber mein Mann konnte ich noch abhalten. Wahrscheinlich hätten wir sonst mitten auf der Autobahn aussteigen müssen.
      Naja, das Leben schreibt auf jeden Fall die schönsten Geschichten . Immer was los mit Kindern!

      Lieben Gruß

      Sarah

  6. Hallo liebe Sarah,
    es tut einfach gut zulesen, dass es anderen Eltern so geht wie einem selbst. Wir hatten ja die gleiche Tour wie ihr und auch wenn Kreuzfahrten mit Kind einige Vorteile bringt, so sind gerade die Landgänge für alle eine Totour. Wir haben gerade Mal Bruchteile von all den Städten gesehen die wir besucht haben. Bei uns kam noch die unerträgliche Hitze von weit über 30Grad hinzu. Da war es bei euch ja schon angenehmer, wenn ich es richtig verfolgt habe. Unser Sohn fande es auch viel spannender mit seinen Autos zuspielen anstatt mit Mama und Papa Sightseeing zu machen. Aber das war in Ordnung. Wir konnten trotzdem einmal was anderes sehen und dafür abends die Vorzüge des Schiffes ganz für uns alleine als Paar erkunden und nervenaufreibenden Momente hinter uns lassen

    1. Man muss einfach lernen, dass ein Urlaub mit Kindern nicht so ein Urlaub ist, den man ohne hatte.
      Früher habe ich zig Bücher gelesen und hatte auch mal Langeweile. Sightseeing haben mein Mann und ich immer ausgiebig gemacht, aber das ist ja nun mal mit Kindern nicht so einfach.
      Wir müssen uns auch noch daran gewöhnen, dass unsere Urlaube nun anders sind und unsere Erwartungshaltung dementsprechend anpassen.
      Rückblickend sind die Momente mit unseren Mädchen einfach unbezahlbar und wunderschön – auch wenn nicht alles rosarot ist.

      Ganz liebe Grüße!

      Sarah

  7. Liebe Sarah und liebe Kathrin, ich folge euch beiden auf Instagram, youtube und hier. Es macht viel Freude und vor allem entspannt es, dass es gleichgesinnte gibt. Ich habe zwei Jungs (5 und 2) und die halten uns mit ihren Gemütern immer auf Trapp. Ihr zwei seid super und macht einen tollen Job. Wenn ich das so sagen darf. Einfach toll und wertvoll für mich. Bin auch NRWlerin aber seit einigen Jahren wohnhaft in Franken. Liebe Grüße aus dem wettertechnisch durchwachsenem Italienurlaub 😉

  8. Liebe Sarah,
    dein Blogpost war wunderbar erfrischend ehrlich. Genau solche Art von erlebtem Mutter- und Familiesein sollte als kleine Broschüre auf dem Krankenhausbeistelltisch jeder Gebärenden liegen. Wie viele vor mir bereits kommentiert haben, sind es oft verunsichernde „Super-Mum-Beiträge“, die viele junge Mütter und Verunsicherte (und das war ich auch als frischgebackene Mama) zu sehen und lesen bekommen. Ein Umstand, den ich schade finde, weil gerade so Unsicherheiten und auch ein gewisses Schamgefühl entstehen. Da setzt du mit deinem Beiträg ein schönes Zeichen. Sehr sympathisch fand ich auch die Quintessenz: es war nicht alles perfekt und es war auch anstrengend, aber ihr hattet eine schöne Zeit als Familie.
    Chapeau!

    1. Danke für die lieben Komplimente. Ich war damals bei Lotta auch völlig verunsichert von all den scheinbar perfekten Mamas um mich herum.
      Mir hätte es auf jeden Fall auch gut getan mal ein paar realitätsnahe Storys zu hören.

      Ganz liebe Grüße!

      Sarah

  9. Liebe Sarah,
    als ich diesen Post gelesen habe, habe ich Tränen gelacht und auf Teufel-komm-raus schmunzeln müssen.
    Im Grunde wusste ich es schon immer – Schokolade rettet Leben ☝. Ja, Du hast es bestätigt.
    Und es tut so unheimlich gut, wenn man auch mal die ungeschönte Wahrheit zu sehen bzw. lesen bekommt. Wenn nicht immer alles nur von der Schokoladenseite und Rosarot gezeigt wird.
    LG Tanja

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