Silvester mal anders

Der Start in dieses Jahr hat sich deutlich von allem unterschieden, was ich die letzten 32 Jahre so erlebt habe. Zumindest, soweit ich mich erinnern kann. Da mein Mann und ich Nachwuchs erwarten, war klar, dass wir ein letztes Mal die Möglichkeit hatten, an Silvester ungestört feiern zu gehen.
Wir entschieden uns für ein moderates Programm. Erst beim guten Italiener essen und anschließend im Schlösser auf der Ratinger Straße feiern.

In der Party Location kamen wir ca. um halb neun an. Früh, ja, aber wir wollten den Abend schließlich auskosten. Es war noch nicht viel los. Wir konnten uns einen Stehtisch ergattern, Drinks ordern und das ankommende Publikum beäugen. Zu unserer Verwunderung kamen viele ältere Paare in den Club. Um es deutlicher zu sagen: Paare zwischen 50- 60, bei denen der Nachwuchs offensichtlich bereits alleine feiern konnte. Sie lieferten uns ausreichend Gesprächsstoff. Die Damen oft in zu engen, zu kurzen Teilen, viel Glitzer und süßes Parfum. Die Herren mal lässig und mal mit zu kurzen Krawatten.

Eines dieser junggebliebenen Paare (die Dame im zu engen weißen Kleid) gesellte sich an unseren Tisch. Der Herr zeigte sich überengagiert, reckte die Faust in die Luft und war (solo) der erste Tänzer dieses Abends. Irgendwann schnappte er sich seine Holde und startete die Discofox Arena. Ahja! Mein Jever Fun verhalf mir leider nicht zu der Gabe, die Szenerie schön zu malen. Silvester mal anders? Zu diesem Zeitpunkt sah es ganz danach aus.

Gegen halb elf hatte man das Gefühl, dass sich endlich auch die 25- 35jährigen unter das Volk mischten. Die Musik hatte den Discofox Modus verlassen, mein Mann und ich konnten locker mitgrooven und die Hüften schwingen. Das Paar an unserem Tisch schwieg sich an und schaute betreten zu Boden. Sie hatten sich wohl gestritten.

Es wurde zunehmend voller im Saal. Die Konfetti Kanonen wurden getestet und Wunderkerzen ausgeteilt. Kurz vor Mitternacht, das Paar an unserem Tisch tanzte wieder versöhnt, wurde die Luft sehr stickig. Die „Silvester draußen“-Fraktion rangelte sich durch die Massen. Wir blieben standfest.

Anscheinend hatte unser Nachwuchs genug. Er oder sie muss auf irgendeinen Schalter gedrückt haben mit der Botschaft „Stellt Euch schonmal darauf ein, im nächsten Jahr gebe ich den Ton an…. und ich mache jetzt Feierabend!“ Mein Kreislauf verabschiedete sich. Ich musste schleunigst hinaus in den luftigen Barbereich, auf einen Hocker. „Fünf, vier, drei, zwei, eins..!“ Silvester sitzend auf einem Barhocker. Ja, das war definitiv mal was anderes.

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