Und dann kam die Schnullerfee – unsere Geschichte

Unsere Lotta war ein richtiges Schnullerkind. Eine große Schnullerliebe. Er half ihr sich zu beruhigen, wenn sie weinte, er fungierte als Tröster und war im Bett immer griffbereit. Das Einschlafen klappte dank des Schnullers fast immer problemlos. Der Schnuller war ihr treuer Begleiter seit ihrer ersten Lebenswoche.

Als sie Ende November zwei Jahre alt wurde, überlegten wir wann denn der richtige Zeitpunkt für eine Schnullerabgewöhnung sei. Wir waren nie große Fans vom Schnuller und achteten bereits eine ganze Weile darauf, das Nuckeln zu reduzieren. Lotta durfte schon seit einigen Wochen nur noch im Bett ihren Schnuller haben. Wenn sie wach wurde sangen wir immer gemeinsam: „Der Schnuller bleibt im… Bett!“ Lotta hat dann den Schnuller unter ihr Kopfkissen gelegt und dort blieb er liegen. Natürlich fragte sie auch tagsüber nach ihrem Schnuller. Zunächst bekam sie ihn noch in „Notfällen“, wenn sie zum Beispiel gestürzt ist oder im Auto schrie. Nach und nach gab es den Schnuller ausnahmslos nur noch im Bett. Wenn sie also tagsüber das Bedürfnis hatte zu nuckeln, dann musste sie eben hoch in ihr Zimmer und sich auf das Bett setzen. Das hat Lotta keine fünf Mal gemacht.

Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass wir schon vor Carlas Geburt Ende September so weit waren. Allerdings machte Lotta zu dem Zeitpunkt einen Entwicklungsrückschritt, was ja nicht unüblich ist, wenn ein Geschwisterchen geboren wird. Wir ließen ihr auf Anraten meiner Hebamme den Schnuller und beschlossen die Abgewöhnung einfach zu vertagen.

Seit Januar sprachen mein Mann und ich immer wieder über die noch ausstehende Schnullerabgewöhnung. Wie sollten wir die Sache angehen? Einen Ausflug zu einem Schnullerbaum? Warten bis Lotta den Schnuller von alleine abgeben würde?

Da waren wir uns schnell einig, dass das so schnell nicht passieren würde. Ich bin zudem der Meinung, dass wir Eltern da Verantwortung übernehmen müssen. Schnullern kann zu Kieferfehlstellungen führen und zu warten bis das Kind kognitiv so weit ist kann natürlich dauern. Wir haben mit Lotta wochenlang das Buch Moritz Moppelpo braucht keinen Schnuller mehr* gelesen.

Eine von vielen zauberhaften Geschichten zur Schnullerabgewöhnung. Wir mussten allerdings feststellen, dass Lotta ihren wirklich heiß geliebten Schnuller nicht von alleine abgeben würde wie es der Junge in der Geschichte gemacht hat.

So begannen wir ihr von der lieben Schnullerfee zu erzählen, die großen Kindern ein tolles Geschenk bringt und dafür dann den Schnuller mitnimmt und ihn den kleinen Babys bringt.

Wir entschieden uns bewusst für die Variante mit der Schnullerfee. Geschenk gegen Schnuller. Aber wie genau das aussehen sollte, das wussten wir selber nicht.

Vor einigen Wochen kam der Moment. Ganz spontan und vollkommen ungeplant. Es war samstags und Lotta sollte Mittagsschlaf machen. Sie hatte immer genau einen Schnuller im Bett und er war tatsächlich unauffindbar. Lotta half mir also beim Suchen, aber wir konnten ihn nicht finden. (Natürlich hätte ich irgendwo im Haus noch einen Schnuller gehabt, aber ich beschloss kurzer Hand, dass nun soweit war.)

„Dann war wohl die Schnullerfee da.“

Lotta fing bitterlich an zu weinen. Herzerreißend. Aus tiefster Seele. Sie war unendlich traurig und verzweifelt. Der Schmerz war groß.

Da war er. Der Moment vor dem wir Eltern wahrscheinlich mehr Angst hatten, als wir zugeben wollten. Der Trennungsschmerz war groß und unsere Lotta ließ sich kaum beruhigen. Mein Mann kam dazu und schaute mich ziemlich verwirrt an. Ich wiederholte nochmal.

„Die Schnullerfee war da.“

Mein Mann nickte mir kurz zu und beruhigte Lotta. Er erzählte ihr, dass die Schnullerfee sicher ein ganz besonderes Geschenk bringen wird, was ihr am Abend beim Einschlafen helfen wird. Er schickte mich raus und übernahm, vor allem weil er merkte, dass sich auch meine Augen mit Tränen füllten.

Ich hörte noch wie er zu ihr sagte, dass sie Kuscheltuch und ihr Kuscheltier für immer behalten darf und dass ihr das niemand wegnehmen wird.

Ich war mit einer Nachbarin zum Walken verabredet und schilderte ihr kurz die Situation. Ich beschloss, dass wir nun zum örtlichen Kinderladen walken sollten, um dann ein schönes Geschenk zu kaufen. Wir wollten schon seit ein paar Wochen eine  Toniebox*  für Lotta besorgen, damit sie zum Einschlafen Hörspiele hören kann.

Im Kinderladen erzählte ich der Verkäuferin davon, dass bei uns gerade ganz spontan die Schnullerfee gekommen sei. Sie hat selber zwei Kinder und erzählte mir von ihren Erfahrungen und sagte auch, dass nun Konsequenz das Wichtigste sei. So verpackte sie mir das Geschenk und klebte einen Sticker darauf und sagte: „Das ist die Schnullerfee.“ Eine wundervolle Idee! So konnte Lotta sich ein  Bild von der Schnullerfee machen.

Ich sage euch, für mich war das auch ein sehr emotionaler Tag. Den Aufkleber habe ich in Lottas Erinnerungskiste gepackt und habe noch das Datum auf die Rückseite geschrieben. Ein besonderer Tag für uns alle.

Der Mittagsschlaf fiel aus. Am Nachmittag entdeckte Lotta das Geschenk und sie war sehr glücklich über das doch sehr große Geschenk. Wir hörten den ganzen Nachmittag Hörspiel und Musik. Am Abend schlief Lotta bei Bibi Blocksberg ein. Einfach so. Sie schlief. Als sie nachts wach wurde, fragte sie nicht einmal nach dem Schnuller, sondern fragte nach Bibi Blocksberg. Also machte ich ihr die Folge an und sie schlief weiter.

Wir waren verblüfft, dass es so reibungslos funktionierte und Lotta akzeptierte, dass sie keinen Schnuller mehr hatte. Wahrscheinlich spielt uns auch die Tatsache in die Karten, dass Lottas kleine Schwester Carla nur die ersten drei Wochen einen Schnuller genommen hat und diesen seither verweigert. So wurde Lotta nicht permanent mit ihrem Verlust konfrontiert.

Tatsächlich fragte sie zweimal nach einem Schnuller. Beides waren Situationen in der ersten Woche nachdem die Schnullerfee da war, als ich anderen davon erzählte. Das habe ich dann nicht mehr in ihrem Beisein gemacht, weil ich merkte, ihr fiel es doch noch sehr schwer und machte sie traurig.

Mittlerweile sind ein paar Wochen vergangen und ich bin so stolz auf mein großes Mädchen. Wir blieben konsequent und machten es ihr so wahrscheinlich auch etwas leichter. Wir hörten und hören mit ihr Hörspiele, nehmen uns noch ein bisschen mehr Zeit, um sie ins Bett zu bringen und lesen manchmal auch eine Geschichte mehr als wir es sonst getan haben vor.

Wir merken schon, dass ihr das Einschlafen etwas schwerer fällt als mit Schnuller, aber wir sind froh, dass wir konsequent geblieben sind. Auch für uns Eltern ist das keine leichte Sache.

Jedes Kind ist anders und es gibt bei der Schnullerabgewöhnung ganz sicher nicht den einen richtig und allgemeingültigen Weg!

Ich würde mich freuen von Euch zu hören wie Eure Erfahrungen mit dem Thema sind!

Bis bald!

Eure Sarah

https://www.instagram.com/fraupuderzange/

* Diese Links sind Affiliate-Links. Für Euch entstehen durch die Nutzung dieser keine Mehrkosten, aber ihr unterstützt damit meine Arbeit. Danke :)!

5 Gedanken zu „Und dann kam die Schnullerfee – unsere Geschichte“

  1. Meine Maus (damals 20 Monate) hatte seid 2 Monaten ständig die Schnuller kaputt gebissen. Kurz vor Weihnachten passierte es wieder. Ich erklärte ihr, dass der Schnuller kaputt ist und sie warf ihn in den Müll. Danach fragte sie noch ein paar Mal, Lulu?(so nannte sie den Nuckel). Ich erklärte ihr, er ist kaputt. Sie wieder holte dann Kopfnickend:“Lulu kaputt“. Und das wars. Ich hatte warscheinlich mehr Angst als sie, dass sie nicht einschlafen kann oder Nachts weinend aufwachte. Aber es passierte nichts. Somit ist das Thema durch bei uns.

  2. Vielen Dank für den sehr persönlichen Einblick!!
    (Meine Tochter ist erst ein Jahr alt und die Entwöhnung vom Schnuller steht noch nicht an. Trotzdem sehr hilfreich und interessant!)

  3. Ich hatte beim Lesen auch Tränen in den Augen, ich kann mir den Herzschmerz sehr gut vorstellen. Mein Sohn hat nie einen Schnuller gewollt, ihn immer wieder ausgespuckt. Anfangs war ich darüber traurig, irgendwie gehörte für mich immer ein Schnuller zum Baby und ich war nicht darauf vorbereitet, dass es Babys gibt die keinen Schnuller möchten (heute schmunzle ich natürlich über mich ;-)). Später dachte ich dann, nun gut – dann haben wir das Thema Schnuller abgewöhnen nicht auf dem Tisch. Was eure Geschichte zeigt, den richtigen Zeitpunkt muss mann nicht unbedingt planen. Und wie sie sich dann entwickelt hat, mit dem Geschenk, dem Aufkleber von der Zahnfee… echt eine schöne Geschichte. Ich hoffe, sie wird von vielen gelesen.

    1. Hallo liebe Anja,

      danke für dein Feedback. Meine kleine Tochter Carla nimmt nun auch keinen Schnuller und verweigert ihn.
      Bin froh, dass also bei ihr keine Schnullerfee kommen muss. So oder so ist es schwierig zu entscheiden wann es Zeit ist sich vom Schnuller zu verabschieden.
      Seitdem ist Lotta für uns nochmal „größer“ geworden und hat jetzt alles Babyhafte nahezu verloren.
      Wir sind jetzt froh mit dem Thema durch zu sein :).

      Liebe Grüße

      Sarah

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.