September 16, 2019 // Just Blogging

Alltagstücken einer Mama – Teil 2

[…] Da stehe ich nun und das bisschen Schminke vom Vortag hängt mir unter den Augen, als ich bemerke, dass das jetzt mit einem leckeren Cappuccino nichts wird. Natürlich habe ich im ganzen Trubel meine Schildrüsentabletten noch nicht genommen. So ein Mist. Also flitze ich schnell zwei Etagen nach oben, schmeiße mir eine Tablette ein, blicke kurz auf die Uhr – 6. 30 Uhr – und rede mir selbst gut zu, dass ich auch die nächsten dreißig Minuten ohne Koffein überstehen werde. Kaum bin ich wieder im Wohnzimmer angekommen, bekomme ich ein „Wann gibt es endlich Frühstück?“ entgegen geschmettert. Also, damit die Stimmung nicht wieder kippt, gebe ich Gas und bereite das Frühstück in Windeseile vor. Lotta, Carla und Moritz sitzen bereits am Esstisch und warten sehnsüchtig auf etwas Essbares. „Mama, ich habe Durst.“

Kein Problem. Ich bereite drei Becher mit Wasser vor, stelle diese auf den Tisch da protestiert Carla. Sie wolle doch eigentlich lieber Milch. Ich zähle innerlich bis zehn, hole Milch und überhöre das nächste Jammern „Ich habe Hunger“. Auf meine Frage, was die Mädchen denn gerne auf ihr Brot möchten, entgegnet mir nur Schweigen. Ich entscheide für mich dann für Butter und Salami. Das mögen alle drei Kinder. Kaum steht das Essen auf dem Tisch, schon schneide ich Gurken, Äpfel und Co für den Kindergarten. Heute ist Waldtag und da bringt jeder etwas für ein großes Picknick mit. Ich bin ein bisschen stolz auf mich, dass ich daran bei dem ganzen Trubel am Morgen gedacht habe.

„Ich will was ANDERES“!!!! Carla ist außer sich. Zum zweiten Mal an diesem Tag. Salami war gestern lecker und heute ist Salami bähhhhh. Sie wirft die Scheibe angewidert auf den Boden und kurz darauf kann ich sie gerade noch davon abhalten, dass der Teller hinterher fliegt. Ich frage nach ihrem Essenswunsch, gehe mit ihr in die Küche und biete ihr Alternativen an. Sie verliert die Nerven und tobt. Moritz nutzt die Gelegenheit, klettert auf Carlas Stuhl und reißt den Becher mit der Milch herunter. Nachdem sich Carla endlich für ein Brot mit Leberwurst entscheiden konnte und ich mit ihr samt Brot zum Tisch zurück kehre, sehe ich das Milch- Desaster. Nee, wat schön. Moritz ist voller Milch, der Tisch, der Boden und der Stuhl. Mein Wunsch nach einer Dusche rückt in weiter Ferne, ebenso der erste Kaffee des Tages. Ich könnte jetzt auf jeden Fall einen Schnaps vertragen. Ich zähle innerlich bis zehn, beruhige die empörte Carla, setze den nassen Moritz zurück auf seinen Platz und beseitige das Unglück. Puh, geschafft. „Mama, ich habe Durst“, ruft mir Carla entgegen, als ich mich gerade setzen will. Ich drehe also direkt um, gehe in die Küche, hole die Milch und will ihr diese gerade eingießen, da sagt Madame: „Ich wollte eigentlich lieber Wasser wie Lotta hat.“

Aha. Alles klar. Ist ja gaaaaar kein Problem. Also hole ich Wasser und erhasche einen Blick auf die Uhr. Noch 15 Minuten, dann wirkt meine Tablette und ich gönne mir einen extra großen Cappuccino mit einem Schuss Haselnusssirup. Ich muss kurz lächeln. Ja, die kleinen Dinge im Leben. Die Kinder essen, ich schnibble schnell die Snacks für die Kids und erfreue mich an der Ruhe, die gerade eingekehrt ist, als ich ein lautes Rums höre.

„Mama, Moritz hat die Pflanze umgekippt!“ Mittlerweile müsste ich eigentlich schon bis Hundert zählen, um die Nerven nicht zu verlieren. Wie ist er denn jetzt auf die Idee gekommen mit der Pflanze auf Tuchfühlung zu gehen? Moritz gefällt das Ganze nicht. Sein Oberteil ist nass von der Milch und jetzt ist er auch noch voller Blumenerde, die er soeben erst einmal probiert hat. Schmeckt natürlich nicht. Er weint und ich denke, gleich weine ich auch. Nützt ja nichts. Ich beseitige auch das Malheur und gehe dann zurück in die Küche, um die Spülmaschine auszuräumen. Als ich die ersten Gläser in den Schrank räumen will, fällt mir eins aus der Hand und zack – kaputt. „Mama, Scherben bringen Glück“, ruft Lotta munter aus dem Wohnzimmer und jetzt weine ich gleich wirklich. Schlimmer geht immer. Kurzerhand beschließe ich das jetzt einfach so zu lassen, gehe mit den Kinder hoch ins Badezimmer und putze mit ihnen die Zähne und mache den Mädchen die gewünschten Frisuren. Ich betrachte mich kurz im Spiegel und denke noch, dass so eine Dusche mir verdammt gut getan hätte. Egal, Prioritäteten setzen heißt es ja so schön. Nützt ja nichts. Jetzt braucht Moritz erstmal ein neues Outfit. Das andere war ja nach einer halben Stunde komplett durchnässt und dreckig. Seine Laune wird beim Anziehen nicht besser. Er protestiert und tobt erneut. Danach gehe ich mit den Kindern wieder runter. Wir packen die Rucksäcke und Carla fängt unvermittelt an zu weinen. „Nicht diesen Rucksack!!!!“ Carlas dritter Nervenzusammenbruch am frühen Morgen. Ich schaue auf die Uhr und stelle fest, ich könnte jetzt endlich meinen Cappuccino trinken. Irgendwann nach gefühlten 30 Minuten sind alle Kinder mit Schuhen bestückt, haben eine Jacke an und gepackte Rucksäcke. „Mama, hier stinkt was. Ihhhhh, Moritz hat Aa gemacht.“ War ja klar. Ich war zwar gerade erst mit ihm oben am Wickeltisch, aber egal. Nützt ja nicht. Also, schnappe ich mir den jungen Mann, der sich gerade erst wieder beruhigt hat und setze ihn auf den Wickeltisch und stelle fest, dass sein Stuhlgang eine durchschlagende Wirkung hatte. Zur Erinnerung: er zahnt. Nicht nur Windel, Body und Hose sind betroffen, nein, wenn ich so an mir herunter schaue sehe ich einen braunen Fleck an meinem Shirt. Och nöööööö!!! Der Tag fängt ja heute so gut an, dass er meinetwegen auch direkt wieder vorbei sein darf. Während ich Moritz das dritte (!!!) Outfit des Tages anziehe, fällt mir noch ein, dass 2000 Bügelperlen auf dem Boden zerstreut in Lottas Zimmer auf mich warten, ebenso die Wäsche, der Frühstückstisch, die ungemachten Betten, die Scherben in der Küche und eigentlich müsste ich noch einkaufen gehen. Schnell flitze ich hoch ins Schlafzimmer und ziehe mir ein sauberes Shirt an. Unten im Flur mit Moritz angekommen bin ich froh, dass kein weiteres Unglück passiert ist und Lotta und Carla ohne weitere Vorfälle auf mich gewartet haben. Wir öffnen die Tür und sehen einen gut gelaunten und vor allem geduschten Nachbarn der freudestrahlend fragt: „Naaaaa, ausgeschlafen?! Du hast ein Leben!“ Ich schaue auf die Uhr. 8:14 Uhr. Ich bin seit 5:46 Uhr wach, habe nicht geduscht, nicht gefrühstückt und hatte noch nicht einmal einen Schluck Kaffee geschweige denn mal fünf Minuten gesessen. Ich tobe innerlich. Äußerlich lächle ich, wünsche einen guten Morgen und mache mich mit den Kindern auf den Weg zum Kindergarten. „Mama, wir wollen Fahrrad fahren!“

Alles klar, die frische Luft wird den hitzigen Gemütern gut tun, denke ich noch und ich beschließe das Auto heute stehen zu lassen…

[Fortsetzung folgt…]

You Might Also Like

14 Kommentare

  • Reply Giota September 16, 2019 at 8:41 pm

    Meine Güte tut das gut das zu lesen. Unsere Tage begonnen ähnlich chaotisch! U d ich denke jedes Mal wie machen das bloß die anderen?! Aber denen scheint genau der selbe Gedanke durch den Kopf zu gehen

    • Reply Sarah September 16, 2019 at 9:00 pm

      Danke Dir! Mich beruhigt es auch immer unheimlich, wenn ich von anderen solche netten Alltagsgeschichten höre :)!

  • Reply Melanie Krumpholz September 16, 2019 at 9:51 pm

    Es ist eine Erleichterung das zu Lesen auch wen ich dor liebe Sahra das Natürlich nicht wünsche aber bei uns ist es auch so und das fast Täglich wir Mütter müssen schon starke Nerven haben und Eigendlich sollten wir ne Auszeichnung bekommen das wir kinder Groß ziehen

  • Reply Alexandra September 17, 2019 at 7:58 am

    Danke, danke, danke! Der beste Artikel ever! Es tut wirklich wahnsinnig gut, das zu lesen und zu wissen, dass andere Mamas auch mal am Rande des Nervenzusammenbruchs stehen.

    • Reply Sarah September 17, 2019 at 8:12 am

      Bitte! Wie sagt man so schön, geteiltes Leid ist halbes Leid ;).
      Liebe Grüße
      Sarah

  • Reply Vanessa September 17, 2019 at 12:45 pm

    Liebe Sarah, du schreibst wirklich herrlich. Ich musste oft schmunzeln und konnte die Alltagssituation bei mir wiederfinden. Einen kleinen Denkanstoss möchte ich jedoch aussprechen. Erziehst du deinen Kinder auch, dass eine Mama Bedürfnisse hat? Ich finde, eine Dusche hättest du an diesen Morgen verdient. Müssen die Bedürfnisse der Kinder immer vorne anstehen?? Ist dies später zum Vorteil wenn sie in die grosse Welt geschickt werden. Meine Kinder sind 7 und 4 und ich erziehe immer mehr danach, dass sie zwar vom Herzen meine Nr. 1 sind, ich oder mein Mann aber auch Bedürfnisse haben und auch mal hinten anstehen dürfen. Natürlich angepasst an das Alter und dem Entwicklungsdtand des Kindes. Bitte nimmt diese Worte nicht als Kritik auf. Jeder erzieht wie er es für richtig hält und ich möchte deine Erziehung damit nicht krisieren sondern einfach nur meine Art der Erziehung mitteilen.

    • Reply Sarah September 17, 2019 at 12:52 pm

      Liebe Vanessa,
      ich glaube, wir beide haben da wirklich eine ähnliche Meinung :), aber an dem beschriebenen Morgen ging echt alles schief. Mir ist es absolut wichtig, dass meine Kinder auch Wahrnehmungen, dass wir Eltern auch Bedürfnisse haben. Ich gehe abends mal alleine mit Freunden aus, telefoniere in Ruhe mit meiner Schwester, möchte das essen, was mir gut schmeckt (daher gibt es hier nicht immer nur das, was die Kids mögen), gehen alleine zum Frisör oder gönne mir die ein oder andere Auszeit. Lieben Dank für den Denkanstoß! Wir sehen das doch sehr ähnlich.
      Viele Grüße
      Sarah

  • Reply Jana Kern September 17, 2019 at 2:56 pm

    Liebe Sarah. Du schreibst so herrlich und humorvoll. Ich finde mich genau wieder obwohl unsere Kids mittlerweile schon etwas älter sind. Lass dir gesagt sein, es wird nicht besser sondern anders . Dennoch der allerbeste Job auf der ganzen Welt. Hast du schon mal überlegt ein Buch zu schreiben? Das meine ich ernst. Ich könnte stundenlang deine Anekdoten lesen. Ganz liebe Grüße sendet dir deine Mama Jana

    • Reply Sarah September 17, 2019 at 3:10 pm

      Hallo liebe Jana!
      Vielen lieben Dank für das Kompliment. Ich als Germanistin höre das wirklich sehr gerne. Wer weiss was die Zukunft so für mich bringt ;).
      Herzliche Grüße
      Sarah

  • Reply Biggi September 17, 2019 at 9:46 pm

    Herrlich Sarah…tut mir in dem ganzen Wahnsinn so gut, das zu lesen. Derzeit bin ich schwanger, im Dezember kommt das Kind…wir sind mit dem 4Jährigen mitten im Umzug, zum Glück nur 500 m um die Ecke, da ich das Gefühl habe, ihm fällt das alles nicht leicht…die Reaktionen sprechen für sich, der Alltag gestaltet sich sehr schwer, wir leben in Kisten und haben gefühlt nur den Kopf voll mit Dingen, die uns belasten, weil nicht alles so reibungslos läuft, wie man sich das wünschen würde. Derzeit hab ich auch so einen kleinen emotionalen Hänger…aber irgendwie hat mich Deine Story heute zum lachen gebracht. Danke für Deine Ehrlichkeit! Ich mag euch !!! LG Biggi

  • Reply Lisa September 18, 2019 at 12:20 pm

    Liebe Sarah,

    danke für deine offenen Worte! I feel you! Unsere 3 Jährige gefühlsstarke Naturgewalt und ihre 1 1/2 jährige Schwester liefern ebenfalls solche aufregenden Morgene ab. Duschen habe ich mittlerweile auf die Abendstunden verlegt…Trockenshampoo oder Babypuder ist trotzdem häufiger mal meine letzte Rettung 😀 Mascara..irgendwo liegt glaube ich noch ein Exemplar in meinem Schrank, das zu hohen christlichen Feiertagen mal zum Einsatz kommt.
    Seit Ende August gehen nun beide in den Kindergarten und ich habe derzeit noch Resturlaub -Himmel auf Erden-! 6 Stunden für mich und meinen Haushalt…das erste mal seit über 3 Jahren. Ich bin jedes Mal neidisch auf euren tollen Frühstückstisch am Wochenende und dich! Wie schafft sie das mit 3 Kindern?! Wahnsinn! Meinen höchsten Respekt dafür. Es kommt auch wieder die Zeit für deine Me-Time und bis dahin wünsche ich dir weiterhin so viel Ausdauer und Geduld (auch hierfür meine Anerkennung..morgens muss ich häufiger den Vulkan machen, um nicht zu explodieren 😀 einfach nicht meiner Zeit) und gaaaaaanz viel Kaffee! Das beruhigt die Nerven. Liebe Grüße lisa

    • Reply Sarah September 18, 2019 at 7:31 pm

      Hallo liebe Lisa!
      Sechs Stunden Zeit ohne Kinder hört sich fantastisch an. Da bekommt man sicher eine Menge geschafft, wobei ich hoffe, dass Du Dir auch ein bisschen Auszeit nur für Dich gönnst. Unter der Woche sitzen wir alle immer nur abends gemeinsam am Tisch und das Abendessen ist daher die einzige gemeinsame Mahlzeit. Da kippt die Stimmung unter der Woche regelmäßig. Am Wochenende ist mein Mann da und so genieße ich das gemeinsame Frühstück und nehme mit zuvor immer ein bisschen mehr Zeit, um in Ruhe einzudecken. Das ist mir mittlerweile echt heilig. So starten wir fast immer mit einem schönen und vor allem entspannten Frühstück in unser gemeinsames Wochenende als Familie. So sieht es hier wochentags ganz und gar nicht aus ;).
      Lieben Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Feedback genommen hast. Ich weiß das wirklich sehr zu schätzen!
      Liebe Grüße zurück!
      Sarah

      • Reply Lisa September 18, 2019 at 7:51 pm

        Liebe Sarah,
        ich danke dir! Ich habe mir jetzt nur für euch bei Instagram angemeldet um endlich besser auf dem laufenden zu bleiben. Eure Tipps und Tricks haben mir schon so oft geholfen.
        Das mit dem Abendbrot unter der Woche ….ja, verstehe ich total. Falsches essen…falsche Schüssel …Soße verrührt statt nur darüber..während dessen dreht die kleine ihre volle Schüssel einfach mal um. Kennt man also . Recht hast du eigentlich…mal sehen ob ich mir die Zeit auch mal einräumen kann. Ich danke dir auf jeden Fall für deine erfrischend ehrlichen Anekdoten aus dem Leben und wünsche Dir eine möglichst ruhige und lange Nachtruhe. Liebe Grüße aus der Augenringecrew

        • Reply Sarah September 18, 2019 at 8:17 pm

          Genau wie du es beschreibst, so läuft es leider oftmals bei uns unter der Woche während des Abendessens ab. Ich glaube, deshalb sind mir die gemeinsamen Mahlzeiten am Wochenende so unglaublich wichtig. Ich wünsche Dir auch eine ruhige Nacht (toi, toi, toi) und bis hoffentlich bald!

    Schreibe einen Kommentar

    Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.